ANN
Rians Augen treffen die meinen. Wir starren uns an, kein Wort zwischen uns nötig.
Ich muss es sagen. Ich muss es loswerden. Ich nehme mein Handy und scrolle durch meine Kontakte. Als ich seinen Namen finde, hoffe ich, dass es noch seine Nummer ist. Ich tippe:
Ist dieser Raum überwacht?
Ein Telefon piept aus der oberen Schublade seines Schreibtischs. Er öffnet es, liest die Nachricht und hält mir das Handy hin. „Bist du das?“
Ich nicke.
Er lehnt sich zurück, verschränkt die Beine am Knöchel. „Nein, der Raum wird nicht überwacht.“
Ich verschränke die Finger im Schoß, atme tief durch. „Rian, es tut mir leid… dass ich dich neulich im Garderobenbereich geschlagen habe. Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist. So bin ich nicht. Ich habe es sofort bereut.“
Er mustert mich, Feindseligkeit liegt in der Luft.
Gott, das ist ein Albtraum.
„Können wir das professionell halten?“ frage ich.
Er schmunzelt sarkastisch. „Wie du jetzt gerade?“
„Wenn wir zusammenarbeiten müssen, können wir wenigstens zivil bleiben?“ flüstere ich wütend, die Geduld am Ende.
Er lehnt sich vor, die Handflächen auf den Schreibtisch gelegt. „Vianne Falkenrath, du bist in meinem Büro und wirst ab sofort nach meinen Regeln arbeiten. Wenn du mich noch einmal schlägst, sei sicher, dass du eine Retourkutsche bekommst.“
Ich verenge die Augen und stelle mir vor, ihn aus dem Zimmer zu kicken. „Mr. Kronfeld, ich werde Sie nicht wieder schlagen. Ehrlich gesagt, ich will nicht mal hinsehen.“
Er hebt eine Augenbraue. „Bist du sicher, Vianne? Du hast mich nicht von den Augen gelassen, seit du reingekommen bist.“
Verdammter Arsch.
Ich schenke ihm ein süßes Lächeln. „Ich habe mich nur gefragt, was ich je an Ihnen gesehen habe. Und ehrlich, ich kapier es einfach nicht.“
Sein Kiefer zuckt – das hat gesessen. Zu schlecht.
Unsere Blicke treffen sich erneut, als die Tür hinter mir aufgeht.
„Entschuldigung“, Torvald unterbricht unseren Stillstand. „Wo waren wir stehen geblieben?“
Rian steht hastig auf. „Wir lassen es für heute dabei, Torvald. Ich wurde zu einem dringenden Kabinettstreffen gerufen.“
„Alles klar“, sagt Torvald. „Ich arbeite das auf und melde mich.“
„Danke.“ Er nickt Torvald und dann mir zu. „Schön, dich kennenzulernen, Vianne.“
Ich lächle süß. „Das Vergnügen war ganz meinerseits, Mr. Kronfeld.“
Er sieht mörderisch aus, als wolle er explodieren.
Bring es, Arschloch. Du machst mir keine Angst.
Niemand bringt mich so auf die Palme wie dieser Mann.
„Auf Wiedersehen.“ Rian stürmt aus dem Raum.
Torvald runzelt die Stirn. „Hm, was ist heute nur mit ihm los?“
„Keine Ahnung.“ Ich packe unsere Sachen zusammen.
Ich lasse mir seinen Mist nicht mehr gefallen.
Diese Zeiten sind vorbei.
Ich liege im Bett, sehe um 23 Uhr The Late Show.
Kurz davor, in ein Kohlenhydrat-Koma zu gleiten, nachdem ich heute Abend einen ganzen Schokoriegel verdrückt habe.
Ich gehe das heutige Treffen mit Rian immer wieder durch. Was für ein Albtraum.
Ich werde meinen Job verlieren, das spüre ich.
Mein Handy klingelt auf dem Nachttisch. Wer ruft um diese Uhrzeit noch an?
Ich nehme ab und sehe den Namen auf dem Display aufleuchten:
Rian