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891 Words
Vina Ich würde Annika umbringen. Langsam. Und auf sechs verschiedene, kreative Arten. Aber zuerst … „Was zum Teufel machst du hier?“ Kasimir lungerte in der Ecknische, als gehöre der Laden ihm, ein Arm lässig über die Rückenlehne geworfen, die Kaffeetasse locker zwischen seinen langen Fingern. Er hob träge eine Schulter. „Ich hatte Durst.“ Ich biss mir so fest auf die Innenseite der Wange, dass ich Metall schmeckte. Vergiss den Mordplan. Zuerst bringe ich ihn um. Ich packte seinen Unterarm — großer Fehler; die Hitze seiner Haut schoss direkt durch mich hindurch — und riss ihn aus dem Stuhl. Er ließ es zu, amüsiert, während ich ihn in die leere hintere Ecke des Gastraums zog. Der dumpfe Beat aus den Lautsprechern über uns gab uns die Illusion von Privatsphäre, doch jeder Nerv in meinem Körper schrie, dass wir keine hatten. „Du kannst hier nicht einfach in meiner Arbeit auftauchen“, zischte ich. „Reg dich ab, Prinzessin. Ich hab mir einen Kaffee gekauft. Ist das hier nicht ein öffentlicher Ort?“ Ich kniff die Augen zu und zählte bis fünf. Half nicht. „Warum bist du hier?“ Er erwiderte meinen Blick ohne zu blinzeln. „Ich wollte dich zum Essen einladen.“ Mein Gehirn setzte aus. Als Annika etwas von Tisch vier gesagt hatte, der Aufmerksamkeit brauchte, hatte ich an verschütteten Latte gedacht — nicht an das. Ganz sicher nicht daran, ihn zu treffen. Und erst recht nicht an ein Abendessen. „Was?“ Mein Mund stand offen wie bei einer Idiotin. „Wovon redest du?“ „Ich schlage vor, dass wir zusammen essen gehen. In ein Restaurant.“ Er sagte das, als würde er Toast bestellen. „Kasimir.“ Ich verdrehte so heftig die Augen, dass es weh tat. „Ich hab dir gesagt, diese Nacht war eine einmalige Sache. Wir sind kein Wir. Das hier —“ ich deutete zwischen uns „— passiert nie wieder.“ Er zuckte mit dieser unerträglichen Gleichgültigkeit die Schulter. „Ich habe Abendessen gesagt, nicht Sex.“ Ein langsames, sündiges Lächeln zog über seinen Mund. „Obwohl — wenn du unbedingt einen zweiten Gang willst, sag ich bestimmt nicht nein.“ Ein überraschter Laut entwich mir, halb Lachen, halb Unglauben. Das Bild — ich und Kasimir an einem Tisch mit Kerzenlicht, ernsthaft versuchend, uns normal zu unterhalten — war so absurd, dass es fast komisch war. Wir hielten keine fünf Minuten aus, ohne uns zu sticheln. Die Luft zwischen uns knisterte immer, unruhig, elektrisch, kurz vorm Explodieren. „Was ist so lustig?“, fragte er und verengte die Augen. „Du.“ Ich verschränkte die Arme. „Du hast selektives Hören. Offenbar hast du beschlossen, alles zu ignorieren, was ich gesagt habe, und dich einfach zurück in mein Bett zu bulldozern.“ Seine Brauen schnellten hoch. „Wie bitte?“ „Du hast mich schon verstanden. Hör auf, hier aufzutauchen, deine Zeit zu verschwenden, geschniegelt auszusehen und mich mit einem lächerlichen Kaffee beeindrucken zu wollen. Das funktioniert nicht.“ Er stieß ein kurzes, ungläubiges Lachen aus. „Dein Ego ist ja gigantisch. Wie passt dein Kopf überhaupt durch die Tür von diesem Elfenbeinturm?“ „Dreh das ja nicht um. Du bist doch der mit dem Ego in Kontinentalgröße.“ Er zuckte wieder mit den Schultern, völlig unbeeindruckt. „Du glaubst, du bist besser als ich. Rate mal — ist mir scheißegal.“ Er beugte sich vor, die Stimme tiefer. „Ich bin um sechs hier. Du bist fertig. Wir gehen essen.“ „Nein. Werde ich nicht.“ Seine Augen blitzten auf — Wut, Hitze, derselbe dunkle Hunger, den ich gesehen hatte, als er mich aufs Bett gedrückt hatte. Ich stopfte die Erinnerung brutal weg. „Malvina.“ Mein Name kam aus seinem Mund wie ein Knurren. „Ich mache keine Spielchen. Hör auf, so verdammt schwer zu kriegen zu tun. Es ist ein Abendessen. Mehr nicht.“ „Wir passen nicht zusammen.“ Er grinste langsam, verdorben, dieses Lächeln, das flüssiges Feuer unter meiner Haut entfachte. „Baby, wir haben längst bewiesen, dass wir sehr gut zusammenpassen.“ Ich schluckte, der Hals eng. „Hör auf.“ „Ich hör auf.“ Er trat noch näher — zu nah — sein Duft legte sich um mich: Leder, Kaffee, etwas Dunkleres, etwas, das einfach nur er war. „Aber um sechs bin ich zurück. Das Schild sagt, ihr schließt um fünf. Wir gehen essen. Klar?“ Ich öffnete den Mund, um zu widersprechen. Nichts kam heraus. Er stand so dicht vor mir, dass ich die Wärme spüren konnte, die von ihm ausging. Bilder dieser Nacht blitzten auf — seine Hände, sein Mund, wie ich mich gebogen und ihn angefleht hatte — und meine Schenkel spannten sich unwillkürlich an. Ich hasste ihn dafür. Mich selbst noch mehr. „Ich —“ Er schüttelte einmal den Kopf, den Blick fest in meinen gehakt. „Sechs.“ „Du bist ein Arsch“, murmelte ich. Er zwinkerte. „Weiß ich.“ Dann drehte er sich um und ging, lange Schritte, die den Raum verschlangen, und ließ mich zurück — erhitzt, wütend und, Gott steh mir bei, schon dabei, die Stunden zu zählen. Ich presste die Handflächen gegen meine brennenden Wangen und flüsterte in die leere Ecke: „Was zur Hölle habe ich da gerade zugesagt?“
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