Kasi
„Das ist doch wohl ein Witz."
Malvina blieb abrupt stehen, kaum dass sie aus dem Café getreten war und das mattschwarze Motorrad erblickte.
„Du bist also wirklich aufgetaucht", sagte ich.
„Fühlte sich nicht so an, als hätte ich eine Wahl." Ihr Blick wanderte zu dem Helm in meiner Hand. „Was zur Hölle soll das?"
„Ein Motorrad. Hast du schon mal eins gesehen."
Ich hielt ihr den Integralhelm hin.
Sie starrte ihn an, als könnte er zubeißen.
„Ich steig da nicht drauf."
„Klar wirst du." Ich hielt meinen Ton locker. „Es wird dir gefallen."
„Vergiss es, Kasimir. Ich mag meine Organe da, wo sie sind."
Ich lachte — leise, echt.
„Komm schon. Eine Runde. Wenn es dir nicht gefällt, frag ich nie wieder."
Sie atmete scharf durch die Nase aus, dann schnappte sie sich den Helm.
„Das wird meine Frisur ruinieren."
„Lohnt sich."
Sie murmelte etwas Unverständliches, während sie ihn überzog. Ich trat näher und stellte den Kinnriemen ein — schnell, behutsam. Ihr Kiefer spannte sich unter meinen Fingern an, aber sie wich nicht zurück.
Ich schwang ein Bein über das Motorrad, setzte mich zurecht und klopfte auf den Sitz hinter mir. Sie zögerte, kletterte dann auf und saß so weit hinten, dass sie mich kaum berührte.
„Näher", sagte ich.
Sie rutschte ein Stück vor.
Ich griff nach hinten, legte eine Hand knapp über ihr Knie und zog sie zu mir, bis ihre Oberschenkel gegen meine Hüften drückten und ihre Brust an meinen Rücken stieß. Ihre Arme legten sich um meine Taille — zaghaft, dann fester, als der Motor ansprang.
Ich rollte langsam vom Bordstein.
Beim ersten richtigen Beschleunigen zuckte sie zusammen, ein kurzer Atemzug an meiner Schulter. Ich fuhr gleichmäßig, keine Spielchen, denn wenn ich sie jetzt verschreckte, war es vorbei.
An der ersten roten Ampel setzte ich beide Füße ab, drehte mich halb um und klappte ihr Visier hoch — ihre Augen waren weit, die Wangen schon rosa vom Fahrtwind.
„Alles gut?", fragte ich über das Brummen hinweg.
Ein kurzes Nicken, ihre Lippen zuckten, als würde sie ein Lächeln unterdrücken.
Ich klappte das Visier wieder runter, als die Ampel umsprang, und gab Gas — gleichmäßig, kontrolliert. Sie rutschte einen Zentimeter nach hinten auf dem Sitz; ihr Griff wurde fester, und dann kam es — ein überraschtes Lachen. Kurz, hell, direkt durch meinen Helm in meine Brust.
Wir erreichten die offene Landstraße und ich gab noch etwas mehr, der Wind riss an uns vorbei, während sich ihr Halt von angespannt zu ruhig veränderte, vertrauensvoll, gefolgt von einem weiteren Lachen, diesmal sanfter.
Ich bog auf den Kiesplatz der Bikerkneipe am Stadtrand ein — unscheinbar, Lichterketten, das beste Fish and Chips weit und breit — und stellte den Motor ab.
Malvina schwang sich auf wackligen Beinen ab und zog langsam den Helm herunter. Dunkles Haar fiel überall hin, wild von der Fahrt.
Sie sah erhitzt aus, lebendig, ungeschützt auf eine Weise, die ich noch nie an ihr gesehen hatte.
Ich nahm ihren Helm entgegen und stellte beide auf das Motorrad. „Bereit zu essen?"
„Mein ganzer Körper kribbelt noch." Sie presste eine Hand auf ihren Bauch und lachte leise. „Das war… beängstigend. Aber irgendwie auch geil."
„Hab ich doch gesagt."
Sie verdrehte die Augen, aber das Lächeln verschwand nicht. „Werd bloß nicht überheblich."
Eine Minute später saßen wir an einem Ecktisch auf der Terrasse, Bierflaschen beschlugen in unseren Händen. Stille breitete sich zwischen uns aus — nicht unangenehm, nur geladen mit allem, was wir nicht sagten.
„Kasimir."
„Ja, Schöne?"
Sie beugte sich vor, Ellbogen auf dem zerkratzten Holz. „Was zur Hölle machen wir hier eigentlich?"
„Essen. Trinken. Versuchen, nicht zu lange auf deinen Mund zu starren." Ich legte den Kopf schräg, betont lässig. „Wie die meisten Leute an einem Freitagabend."
Genau in dem Moment kam die Kellnerin mit frischen Flaschen vorbei. Malvinas Lippen öffneten sich — bereit loszulegen — dann pressten sie sich zu einem knappen, höflichen Lächeln zusammen, als die Frau die Biere abstellte.
„Wir überlegen noch", sagte ich.
Sie zwinkerte. „Ruft einfach, wenn ihr so weit seid, Süßer", und schlenderte davon.
Malvina richtete diese gewittergrauen Augen wieder auf mich. „Ich frage ernsthaft. Das ergibt doch alles keinen Sinn. Du und ich? Hier? Das passt hinten und vorne nicht zusammen."
„Malvina, Schätzchen, es ist ein Abendessen. Fettige Burger, kaltes Bier, Lichterketten überm Kopf. Entspann dich."
„Entspann dich?" Sie schnaubte. „Das ist ja großartig von jemandem, der mich so sehr gehasst hat, dass er mal gesagt hat, er würde lieber Schweinefraß essen, als neben mir zu sitzen."
„Dich hassen?" Ich beugte mich nah zu ihr. „Denkst du, ich habe dich gehasst?"
Ihr Atem stockte.
„Ich habe dich nie gehasst."