Er lächelte, als wüsste er etwas, was ich nicht wusste. „Weil mir langweilig ist. Und weil ich sehen will, was passiert, wenn eine Taube im Maul eines Wolfes landet.“
Mein Herz raste. „Ich sollte es nicht tun.“
„Nein“, stimmte er zu. „Das solltest du auch nicht.“
Er streckte mir die Hand entgegen. „Na und?“
Ich betrachtete sie. Seine Finger waren lang, elegant, leicht vernarbt. Sein Ring funkelte im Licht – ein schwarzer Stein mit einer eingravierten Schlange.
Die Musik drinnen veränderte sich, ein leiser Trommelschlag pulsierte durch die Tür. Mein Körper bewegte sich, bevor meine Angst ihn aufhalten konnte.
Ich legte meine Hand in seine.
In dem Moment, als sich unsere Haut berührte, durchfuhr mich ein elektrischer Schauer. Er lächelte, als spürte er es auch.
„Braves Mädchen“, murmelte er. „Willkommen auf der Party.“
Er führte mich durch den schmalen Türspalt, und der Klang umhüllte mich.
Die Welt explodierte in Farben und Hitze – Musik, Lachen, das Schimmern roter Seide und schwarzen Samts. Die Luft vibrierte vor Leben, etwas, das sich nicht um Regeln scherte.
Claudes Hand umklammerte meine fester. „Beeil dich“, sagte er. „Du bist nicht sicher, wenn du stehen bleibst.“
Ich sah mich schwindlig um. „Was meinst du?“
Er beugte sich vor, sein Atem streifte mein Ohr. „Es bedeutet, dass du, wenn du einmal drin bist, Dove, nicht mehr rauskommst.“
Ich drehte mich zu ihm um, aber er ging schon voraus, seine rote Jacke leuchtete hell vor der Dunkelheit.
Und dann – durch die Menge, durch den Rauch und das goldene Licht – spürte ich es. Einen Blick.
Schwer. Hungrig. Er beobachtete mich.
Ich folgte seinem Sog, bis sich unsere Blicke trafen.
Auf der anderen Seite des Raumes, wie ein König aus dem Schatten gemeißelt, saß ein Mann in Schwarz. Sein Kopf war leicht geneigt, seine Augen durchdrangen die Menge, bis sie meine fanden. Die Musik um mich herum verstummte, die Welt um mich herum verengte sich, bis nur noch er da war.
Claude beugte sich zu mir vor, seine Stimme so leise, dass nur ich sie hören konnte.
„Vorsicht“, flüsterte er. „Das ist der Alpha.“
Mir stockte der Atem.
„Varian“, sagte Claude und lächelte schwach. „Und er sieht dich schon an.“