Nacht. Die Stadt unter ihnen pulsiert wie ein lebendiges, atmendes Wesen. Lichter flackern, Stimmen raunen, Geheimnisse kriechen durch die Gassen. Und auf einem Dach, hoch über allem, kniet sie: Vayen. Klinge an der Hüfte. Der Drache auf ihrem Rücken unter dem dünnen Stoff schimmernd. Ihre Augen kühl. Tödlich. Aber innerlich: wach. Weil er da ist. Rael. Nicht zu sehen – aber zu spüren. Ein Flüstern im Wind. Ein Schatten am Rand ihres Blickfelds. Der Duft von Erde, Rauch und Erinnerung. „Du weißt, dass ich dich begleiten werde“, sagt er hinter ihr, seine Stimme wie schwarzes Samtband, das sich um ihre Gedanken wickelt. „Und du weißt, dass ich dich trotzdem vorgehen lasse“, entgegnet sie. „Ich bin die Klinge, du der Schleier.“ Ein Spiel, ein Ritual. Doch auch eine Wahrh

