***Emma***
Ich sackte in mir zusammen, als die Kellertür hinter Drake ins Schloss fiel. Es war ein dumpfes, alles verschlingendes Geräusch, das mich in der Dunkelheit ersticken ließ. Ich saß auf einer abgewetzten Matratze, die feucht und kalt war. Um mich herum nichts als Betonwände, kahl und bedrückend. Der modrige Geruch der Feuchtigkeit kitzelte in meiner Nase, während die Dunkelheit wie eine undurchdringliche Masse auf mir lastete. In was für eine grausame Scheiße war ich hier nur hineingeraten?
Alles spielte sich erneut in meinem Kopf ab, wie ein endloser Film, den ich nicht stoppen konnte. Es hatte doch alles so banal begonnen. Ich hatte lediglich den Auftrag, im Skyclub ein paar Flaschen Wodka in die private Lounge zu bringen. Nur das. Doch was ich dann sah, hätte ich niemals erahnen können. Ein Drogendeal, so groß und dreckig, dass mir allein der Anblick die Luft abschnürte. Drake hatte mich bemerkt, seine kalten, dunklen Augen hatten sich in meine gebohrt wie Nadeln. Und dann – dann war alles entglitten. Nun saß ich hier. Nicht als Mensch, sondern als etwas, das sich wie ein gefangenes Tier vorkam. Eine Beute. Ein Spielzeug.
Was wollte er mit mir? Mich hier als seine Sexsklavin halten? Mich brechen, mich demütigen, bis nichts mehr von mir übrig war? Ein Zittern lief über meinen Körper, aber nicht nur wegen der Kälte. Würde ich wahnsinnig werden? Würde ich zerbrechen? Nein. Nein, verdammt. Ich war Emma. Und ich würde mich nicht ergeben. Dieser Drake wusste nicht, mit wem er es zu tun hatte. Ich hatte oft genug gelernt, wie ich mit Männern umgehen musste, wie ich diese selbstgefälligen Schwanzträger mit ihren eigenen Waffen schlagen konnte. Er würde mich nicht brechen. Niemals.
Doch mein Mut war ein zerbrechliches Ding, das ich wie eine zerfledderte Fahne in den Sturm hielt. Ich wischte mir mit der Zunge über die Lippen, schmeckte immer noch den bitteren Nachgeschmack von Drake. Sperma. Es war widerlich gewesen, ekelhaft, und doch – ich musste an den Ausdruck in seinen Augen denken. Diese Mischung aus Verachtung und Lust, aus Kontrolle und einem Funken Unsicherheit. Vielleicht, nur vielleicht, konnte ich diesen Funken nutzen.
Ein leises Geräusch riss mich aus meinen Gedanken. Die Kellertür öffnete sich mit einem leisen Quietschen, und ich spannte mich an, mein Blick in die Dunkelheit gerichtet. War es wieder Drake? Ein klärendes Gespräch vielleicht? Nein, stattdessen war es Julian, sein Lakai. Der Stiefellecker. Die Art, wie er den Raum betrat, verriet alles über ihn. Ein Hund, der darauf wartete, dass sein Herrchen ihm einen Knochen hinwarf.
„Ach, du bist es,“ sagte ich und zwang ein sarkastisches Lächeln auf meine Lippen. „Soll ich dir auch einen blasen?“
Julian warf mir einen kühlen Blick zu, während er einen Teller mit trockenem Brot und eine Flasche Wasser auf den Boden stellte. „Ich bring dir Wasser und Brot,“ sagte er knapp.
Julian warf mir einen kühlen Blick zu, während er einen Teller mit trockenem Brot und eine Flasche Wasser auf den Boden stellte. „Ich bring dir Wasser und Brot,“ sagte er knapp.
„Wie reizend,“ erwiderte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. „Sogar im Knast wird man besser behandelt.“ Ich stand auf, doch meine Beine waren schwach, und ich schwankte leicht. Der Hunger, die Kälte – alles zehrte an mir, und doch wollte ich mir keine Blöße geben. „Wenn dein Boss nicht möchte, dass ich krank werde, wäre ich ihm sehr verbunden, wenn ich eine Decke bekomme. Es ist nicht gerade geheizt hier unten.“ Meine Stimme war leise, aber fest. Kein Betteln. Nur eine Feststellung.
Julian schwieg einen Moment, sein Blick wanderte über mein Gesicht, mein Haar, meinen Körper. Ich konnte fast hören, wie sein kleiner Geist ratterte. „Ich werde sehen, was ich tun kann,“ sagte er schließlich und drehte sich um, um zu gehen.
„Beeil dich,“ rief ich ihm nach, bevor er die Tür wieder schloss. „Ich will nicht erfrieren, bevor dein Boss mich zu Tode langweilt.“
Ich sackte wieder auf die Matratze, starrte auf das Brot und die Wasserflasche. Mein Magen knurrte, aber ich zwang mich, langsam zu essen, kleine Bissen, bedächtig. Jede Bewegung war ein Akt des Trotzes, ein Beweis dafür, dass ich noch da war. Noch lebte. Noch nicht gebrochen war.
Die Minuten zogen sich wie Kaugummi, und die Kälte kroch in meine Knochen. Ich hatte das Gefühl, dass ich in einem Grab lag, das mit jeder Stunde enger wurde. Doch mein Kopf arbeitete. Ich analysierte, wog ab, dachte nach. Drake wollte mich brechen? Nun, das Spiel konnte in beide Richtungen gehen. Ich würde einen Weg finden, ihn zu manipulieren, ihn an seinen wunden Punkt zu treffen. Jeder hat einen wunden Punkt. Selbst Monster wie Drake.
Ein weiteres Geräusch an der Tür. Diesmal war es schwerer, langsamer. Ich hielt den Atem an, als sie sich öffnete. Und dann stand er da. Drake. Groß, dunkel, mit einem Blick, der gleichzeitig kühl und durchdringend war. Sein Schatten fiel über mich, als würde er die ohnehin schon düstere Welt um mich noch dunkler machen.
„Emma,“ sagte er mit einer Stimme, die wie ein Messer durch die Luft schnitt. „Hier!“, sagte er und warf mir eine graue filzige Decke zu, die ich auffing. „Hast du überlegt?“
Ich sah ihm in die Augen, zwang mich, meine Angst zu verbergen. „Überlegt? Ob ich aufhöre, Mensch zu sein? Nein, tut mir leid, ich habe andere Pläne.“
Er lachte leise, ein dunkles, zynisches Lachen. „Du bist mutiger, als ich gedacht hätte. Aber Mut hat einen Preis, Emma. Und ich bin mir sicher, du wirst ihn bald bezahlen.“
Seine Worte hämmerten in meinem Kopf nach, selbst nachdem er gegangen war.
Doch diesmal schloss die Tür nicht. Ein winziger Spalt blieb offen, durch den ein Hauch kühler Luft hereindrang. Mein Herz schlug schneller. Eine Gelegenheit? Oder eine Falle? Mein Blick wanderte zu der Flasche, die ich geleert hatte. Sie war aus Glas, d**k und schwer genug, um als Waffe zu dienen. Ich nahm sie in die Hand, spürte das Gewicht und schlich zur Tür.
Die Dunkelheit dahinter war keine Leere – sie atmete. Ich horchte, meine Sinne geschärft wie die eines Tieres. Stimmen, leise und gedämpft. Zwei Männer. Drake und jemand anders. Ihre Worte waren zu weit entfernt, um sie zu verstehen, aber die Spannungen in ihren Stimmen waren spürbar. Sie stritten.
Ich presste die Flasche fester in meine Hand. Es war jetzt oder nie. Entweder fand ich einen Weg hinaus oder ich wartete auf mein Ende, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wurde.
Mit jedem Atemzug sammelte ich den Mut, den ich hatte, und öffnete die Tür ein kleines Stück weiter. Mein Herz raste, und doch spürte ich einen Funken Hoffnung in mir aufglimmen. Ich würde nicht hier sterben. Nicht heute. Nicht durch seine Hand.
Ich schlich auf Zehenspitzen hinter der Kellertür hervor. Das Herz in meiner Brust pochte wie ein Trommelschlag, ein unaufhörlicher Rhythmus, der mich fast betäubte. Die Eingangshalle des Townhouses war weit und warm, ein trügerischer Kontrast zu der Kälte, die ich in mir spürte. Die Stimmen, die ich vernahm, hallten gedämpft aus einem Raum zur Linken. Drake, dieser Julian und noch andere sprachen miteinander. Ihre Worte waren nicht klar zu verstehen, doch ihr Tonfall verriet Macht, Kontrolle – und Gefahr.
Ein Lichtschein drang durch den Spalt einer Tür. Wohnzimmer, Esszimmer, was auch immer es war, es war unwichtig. Mein Blick wanderte zur schweren Eingangstür. Mein Weg nach draußen. Mit zitternden Fingern legte ich meine Hand auf die Klinke, drückte sie herunter – und spürte den Widerstand. Verschlossen. „Shit“, flüsterte ich kaum hörbar. Mein Blick huschte umher, hektisch, suchend. Zurück in den Keller? Nein. Dort unten würde ich nur landen, wenn sie mich hinunterzerrten. Ich warf einen Blick hinter mich, zur breiten Treppe, die nach oben führte. Vielleicht lag dort ein Ausweg. Ein Fenster. Ein Balkon. Eine Feuerleiter. Irgendetwas.
Mit angespannten Muskeln begann ich den Aufstieg, jede Stufe ein Tanz auf dem Drahtseil. Der Teppich auf den Stufen dämpfte meine Schritte, doch das Knarren des alten Holzes darunter war mein ständiger Begleiter. Oben angekommen, sah ich Flure, die sich nach links und rechts verzweigten. Türen, hinter denen sich Geheimnisse verbargen. Noch eine Treppe, die weiter nach oben führte. Sollte ich weiter? Was hatte ich zu verlieren? Mein Leben? Ja, vielleicht. Aber das war ein Risiko, das ich schon eingegangen war, als ich die Kellertür hinter mir gelassen hatte.
Die Treppe ins Dachgeschoss wirkte wie ein Tor in eine andere Welt. Die Schrägen der Wände nahmen dem Raum die Weite, aber nicht die seltsame Behaglichkeit. Gemälde hingen an den Wänden, sorgfältig arrangiert, und auf einer Anrichte stand eine Vase mit verwelkten Blumen. Der Teppich unter meinen Füßen war schneeweiß, ein makelloser Kontrast zu meinem Schmutz und Dreck.
Am Ende des rechten Flures zog mich eine Tür magisch an. Sie wirkte wie ein Versprechen, vielleicht ein Trugbild, aber ich konnte nicht anders. Ich drückte die Klinke herunter und spähte hinein. Das Zimmer war still und verlassen. Ein breites Bett stand an der Wand, bedeckt von einem weißen Tuch. Daneben ein Sofa, ebenfalls verhüllt. Die Luft war abgestanden, muffig, als hätte hier lange niemand mehr geatmet.
Ich schritt durch den Raum, meine nackten Füße hinterließen kaum hörbare Spuren auf dem Teppich. Dahinter entdeckte ich ein Badezimmer. Ebenerdige Dusche, ein Waschtisch, Toilette, ein rundes Fenster, durch das das fahle Licht des Mondes hereinfiel. Ich trat ans Fenster und blickte hinunter. Ein Garten. Hohe Mauern. Kein Ausweg. Frustriert wandte ich mich ab. Doch dann fiel mein Blick auf die Dusche.
Die Idee war verrückt, beinahe selbstzerstörerisch. Aber ich konnte den Gedanken nicht abschütteln. Mein Körper war schmutzig, meine Kleidung stank, meine Haut spannte. Eine Dusche – eine einzige Dusche – war das zu viel verlangt? Ich schüttelte den Kopf, murmelte leise: „Mach einfach, Emma. Was hast du zu verlieren?“
Mit einem letzten Seufzen ließ ich meine schmutzige Kleidung zu Boden fallen. Die Kälte der Fliesen unter meinen nackten Füßen schickte einen Schauer über meinen Körper. Ich trat in die Dusche und drehte das Wasser auf. Es war heiß, brühend heiß, und ich schloss die Augen, als es über mich herabströmte. Jeder Tropfen fühlte sich wie ein Schlag auf die Panzerung an, die ich mir in den letzten Stunden zugelegt hatte. „Gott, wie herrlich…“, entkam es meinen Lippen. Ich griff nach der Seifenhalterung, pumpte etwas in meine Hände und begann, meinen Körper einzuseifen. Der Schmutz, der Gestank, die Angst – alles schien mit dem Schaum hinfort gespült zu werden.