***Drake***
Ich wusste genau, was auf dem Spiel stand – und ich liebte es. Diese Spannung, die wie ein dunkler Strom durch meine Adern pulsierte, machte mich lebendig. Heute Abend war entscheidend. Für mich. Für uns alle. Es ging nicht um irgendeinen Deal. Nein, dieser war größer, gefährlicher, tödlicher. Und um mehrere Millionen Dollar. Ein Kunde aus dem Westen, direkt aus Las Vegas, der Stadt der Lichter, des Lasters und der Abgründe, wollte mich treffen. Kein Geringerer als der Mann, der den Fluss dieser neuen Droge kontrollierte, über die jeder sprach: Fentanyl.
Fentanyl. Allein der Name war wie ein Flüstern von Sünde. Es war verlockend, grausam und effektiv. Eine Droge, die schneller süchtig machte, als man blinzeln konnte. Sie raubte dir alles – Verstand, Moral, Leben. Und genau das machte sie perfekt für mich. Ich hatte Abnehmer, die so gierig waren, dass sie dafür ihre Großmutter verkaufen würden. Ob sie daran zugrunde gingen? Sicher. War das mein Problem? Natürlich nicht. Ich war nicht ihr Babysitter. Ich war ihr König, ihr Dealer, ihr Gott. Doch heute würde ich dem Kunden die Hammerdroge verkaufen und eine riesige Menge Geld dafür einkassieren. 15,5 Millionen Dollar. Eine Menge Geld, die ich mal so eben an einem Abend verdiente. Guter Schnitt, oder?
Ich saß auf dem Rücksitz eines schwarzen Hummers, lehnte mich zurück und betrachtete die Reflexion der Straßenlaternen in den getönten Scheiben. Neben mir lag ein silberner Koffer. Der Deal war vorbereitet, präzise wie ein Uhrwerk. Julian saß vorne auf dem Beifahrersitz, die Augen auf sein iPhone geheftet. „Lass uns lieber durch den Hintereingang des Skyclubs gehen“, sagte er, ohne aufzusehen. „Vorne erregen wir zu viel Aufmerksamkeit.“
„Soll mir recht sein“, knurrte ich und ließ meinen Blick aus dem Fenster gleiten. Am Haupteingang des Clubs drängten sich Menschen, die alle das Gleiche wollten: Ablenkung, Eskapismus, Vergessen. Potenzielle Kunden. Jedes Gesicht eine Geschichte, jedes Lächeln eine Lüge. Sie alle waren so leicht zu brechen. Sie alle wollten das, was ich hatte.
Der Wagen hielt auf der Rückseite des Gebäudes. Ein anderer meiner Männer sprang heraus, öffnete mir die Tür. Ich stieg aus, fühlte die kalte Luft wie ein Versprechen auf meiner Haut. Die schwere Metalltür vor uns führte ins Innere des Clubs. Hier war kein Platz für Samthandschuhe. Das war mein Revier, und jeder, der es betrat, spielte nach meinen Regeln – oder starb.
„Wir haben auf Ebene zwei eine private Lounge. Dort stört uns keiner“, sagte Julian und führte uns den Gang entlang. Ich folgte ihm mit einem entspannten Schlendern, das ich perfektioniert hatte. Es war das Schlendern eines Mannes, der alles kontrollierte – oder zumindest so tat, als ob.
Die Lounge war dunkel, edel und abgeschlossen. Perfekt. Ich ließ mich auf das lederne Sofa sinken, den silbernen Koffer auf dem Tisch vor mir. Die Stille in diesem Raum war erdrückend. Sie war voller Erwartungen, voller unausgesprochener Drohungen. Julian sprach in sein Headset, gab Anweisungen. Ich beobachtete ihn mit einem leichten Grinsen. Julian war loyal. Loyalität war alles. Aber er wusste auch, dass Loyalität nicht ewig war. Nicht in diesem Geschäft.
Dann öffnete sich die Tür. Mein Kunde trat ein. Groß, breit, ein Gesicht, das an einen Boxer erinnerte, der zu oft getroffen worden war. Er trug einen maßgeschneiderten Anzug, aber der Stoff konnte die brutale Gewalt, die von ihm ausging, nicht verbergen. Er war nicht allein. Zwei seiner Männer flankierten ihn, beide schwer bewaffnet. Wir tauschten keine Begrüßungen aus. Dafür war keine Zeit. Dafür gab es keine Notwendigkeit. Das Spiel hatte begonnen.
„Drake Kingston, der König von New York“, sagte er mit einer Stimme, die wie ein tiefes Knurren klang. „Ich habe viel über dich gehört.“
„Ich hoffe, nur Gutes“, antwortete ich und ließ meine Stimme glatt und gefährlich klingen. Er grinste. Es war kein freundliches Grinsen.
„Das hängt davon ab, wie dieser Abend verläuft.“ Er ließ sich auf den Sessel mir gegenüber sinken, seine Augen auf mich gerichtet wie die eines Raubtiers, das seine Beute studiert. „Du hast, was ich brauche?“
Ich nickte, öffnete den silbernen Koffer. Die Plastiktüten darin glänzten im Licht. Pures Gift, abgefüllt und bereit, eine ganze Stadt zu zerstören. Sein Blick wurde hungrig, und ich wusste, dass ich gewonnen hatte.
Er beugte sich nach vorne, seine massigen Hände auf die Lehne seines Sessels gestützt, und starrte auf die Ware im Koffer, als wäre es der heilige Gral. „Das ist also das Zeug“, murmelte er, fast ehrfürchtig. Seine Finger, d**k und grob wie Schraubenschlüssel, streckten sich aus, doch ich schlug den Koffer zu, bevor er etwas berühren konnte.
„Nicht so hastig“, sagte ich mit einem süffisanten Lächeln. „Erst die Geschäfte, dann der Spaß.“
Sein Blick verfinsterte sich, aber ich sah die Gier darin. Diese Gier war stärker als jede Beleidigung, stärker als sein Ego. Ich hatte ihn an der Leine. Und er wusste es.
„Wie viel?“ fragte er, seine Stimme angespannt.
„15,5 Millionen. Vorab. Und wenn du in den nächsten sechs Monaten einen festen Marktanteil in deinem Gebiet aufbauen willst, brauchen wir eine langfristige Partnerschaft. Ich gebe dir die Ware, du hältst dein Gebiet sauber und zahlst pünktlich.“ Meine Worte waren glatt wie Öl. Ich lehnte mich zurück, die Arme auf der Rückenlehne meines Sofas ausgestreckt, während ich seinen Ausdruck beobachtete.
Er lachte kurz, ein hässliches Geräusch, das die Anspannung im Raum noch verdichtete. „15,5 Millionen, huh? Du bist entweder verrückt oder verdammt selbstsicher.“
„Vielleicht beides“, erwiderte ich kühl. „Aber eines kannst du mir glauben: Dieses Zeug wird deine Kunden an dich ketten. Sie werden bereit sein, alles zu tun, um mehr zu bekommen. Deine Einnahmen werden explodieren. Und wenn du meine Bedingungen nicht akzeptierst, gibt es genug andere Interessenten.“
Seine Augen verengten sich. Er wusste, dass ich nicht bluffte. Er wusste auch, dass er keine andere Wahl hatte. Schließlich nickte er, langsam und widerwillig. „Abgemacht.“
„Weise Entscheidung“, sagte ich und lies mir das Tablet geben. Ein Knopfdruck, und die Verbindung zu meinem Buchhalter stand. „Die Kontonummer, bitte“, sagte ich und hielt ihm das Telefon hin.
Ich saß mit dem Rücken zum Tresen der Lounge, meine Finger spielten träge über die Tasten des Tablets. Der Kunde, ein glatzköpfiger Mann mit stählerner Kieferpartie, starrte nervös auf den Bildschirm vor ihm, als würde allein die Eingabe seiner Kontonummer ihn retten können. Ich war kurz davor, ihn anzufeuern – schneller, verdammt – als dieses verdächtige Geräusch den Raum durchdrang. Ein Rascheln, kaum lauter als ein Atemzug, doch genug, um jeden im Raum erstarren zu lassen.
Die Stille war erdrückend. Sekunden verstrichen, dann öffnete sich eine schmale Hintertür – eine, die selbst ich im Dämmerlicht der Lounge kaum bemerkt hatte. Ich wirbelte herum, meine Hand instinktiv in Richtung der Waffe an meinem Rücken, doch was ich sah, brachte mich für einen Moment zum Innehalten.
Es war sie.
Die kleine Blondine aus dem Starbucks von heute Nachmittag. Emma. Ihr Name schoss wie ein Messer durch meine Gedanken.
In den Händen hielt sie ein paar Flaschen Wodka, und ihre Augen glitten mit einer präzisen, fast unheimlichen Wachsamkeit über den Raum, als hätte sie genau geahnt, dass hier etwas verdammt falsch lief. Und dann sah sie mich.
Ihr Blick blieb an mir hängen. An mir, dem silbernen Koffer auf dem Tisch, meinem Kunden und – vor allem – an dem kleinen Päckchen Fentanyl, das wie eine süßliche Beleidigung auf der Tischplatte lag. Es musste aus dem Koffer gerutscht sein. Ein dummer Fehler. Ein Fehler, der mich fast meinen Verstand kostete.
„Was zum Henker ist hier los?“, fauchte sie, ihre Stimme so scharf wie zerbrochenes Glas. Sie klang weder ängstlich noch verwirrt – nur wütend. Und das machte mich rasend.
„Hau ab, Blondchen! Das geht dich einen Scheißdreck an!“, knurrte ich zurück, meine Stimme ein bedrohliches Grollen, das durch die Stille schnitt. Doch sie bewegte sich nicht. Stattdessen trat sie einen Schritt näher, und ihr Blick fiel erneut auf das Päckchen. Ihre Augen weiteten sich, und für einen Moment dachte ich, sie würde schreien.
„Scheiße… ist das … sind das …“, stammelte sie, doch der Satz blieb unvollendet.
Alles explodierte.
Der Kunde sprang auf, seine Augen blitzten vor Zorn. „Mich hast du das letzte Mal gesehen!“, brüllte er und packte den Koffer. „Du hast gesagt, der Ort sei sicher, verdammtes Arschloch!“ Seine Männer reagierten sofort, stürmten zur Tür hinaus wie eine Flutwelle aus Muskeln und Waffen.
Ich blieb zurück. Kochend vor Wut. Mein Blick heftete sich an Emma, die nun allein im Raum stand, die Wodkaflaschen wie Schutzschilder vor sich haltend. Ich erhob mich langsam, meine Faust ballte sich um die Leere in meiner Hand. „Weißt du eigentlich, was du da gerade getan hast?“, zischte ich, meine Stimme triefend vor Gift.
Sie wich nicht zurück. Ihre Augen – süßliches Karamell – starrten mich herausfordernd an. Ich packte sie, meine Hand umfasste ihren zarten Hals, und ich schob sie mit einem Knurren gegen die Wand. Die Wodkaflaschen zerschellten auf dem Boden zwischen uns und der scharfe Alkohol stieg mir sofort in die Nase. Ihre Hände schossen nach oben, um meine zu lösen, aber es war zwecklos. Ich spürte, wie ihr Puls gegen meine Finger hämmerte, ein rasender Rhythmus, der meine eigene Wut nur weiter anfachte.
„Emma, richtig?“, fragte ich, meine Stimme rau und zitternd vor unterdrücktem Zorn. Sie nickte kaum merklich, oder vielleicht war es auch nur das Zittern ihres Körpers. Ich holte aus und schlug ihr ins Gesicht. Der Aufprall war ein dumpfer, befriedigender Klang, der durch meine Hand vibrierte. Ihr Kopf kippte zur Seite, und sie keuchte schwer aus.
Doch dann – und das war der Moment, der mich wirklich aus der Fassung brachte – drehte sie sich langsam wieder zu mir um. Ihre Wange war rot und heiß, doch ihre Augen … ihre Augen loderten. Nicht vor Angst, sondern vor Zorn. Reiner, unverfälschter Zorn.
„Du Bastard“, presste sie hervor, und bevor ich reagieren konnte, hob sie ihr Knie und rammte es mit einer Wucht in meinen Schritt, die mir den Atem raubte. Der Schmerz war überwältigend, eine brennende, pulsierende Explosion, die mich zu Boden schickte.
„Schlampe!“, brüllte ich, meine Stimme ein heiseres, schmerzerfülltes Knurren. Emma rannte los, doch sie hatte keine Chance. Meine Leute waren schneller. Julian und ein anderer packten sie, hielten sie fest, während ich mich langsam aufrappelte, meine Männlichkeit schützend und tief durchatmend. Meine Wut kochte – nein, sie brodelte wie Lava.
„Du hast mir schon wieder wehgetan“, sagte ich, meine Stimme ein bedrohliches Flüstern. „Das zweite Mal schon. Na warte, Emma. Das wirst du bereuen.“
Ich trat näher, meine Augen auf sie geheftet wie ein Raubtier, das seine Beute fixiert. Sie strampelte, versuchte, sich aus dem Griff meiner Leute zu befreien, aber es war zwecklos. Ich war die Dunkelheit, die sie verschlingen würde, und in diesem Moment wusste sie es.